Südostasien, Indien, Wien und Überlegungen über die es zu schreiben lohnt
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  Wiener Tramway Museum: Geschichte des Öffentlichen Verkehrs in Wien 

Remise Wien Erdberg: Tramway Museum

Willkommen in der Remise Wien Erdberg

 

Der Städtetourist in Wien hat wohl nicht die zeitlichen Ressourcen um dem Wiener Tramway Museum einen Besuch abzustatten. Zu kurz anberaumt wird der Aufenthalt in der Donaumetropole sein.

 

Schade, denn diese irgendwie „versteckte“ Institution in Sachen „Geschichte des öffentlichen Verkehrs“  verdient sich seine Aufwartung. Zeit sollte sich der Besucher in diesem renovierten Backsteinbau in Erdberg auf jeden Fall nehmen. 

Tramway Museum: Fahrerstand einer Straßenbahn

 

 

 

Wien und der Öffentliche Verkehr

 

Wien ist mit seinem ziemlich dichten Netz an öffentlichem Verkehr in Europa Vorbild gebend. So glaube ich, dass nur die russische Hauptstadt ein ausgedehnteres Angebot vorzuweisen hat.  Und auch trotz manch Jammerei, kann bei diesem Angebot nicht von „teuer“ gesprochen werden.

 

Nach der Gründung im Jahre 1972 in den Remisen*  Ottakring und (kurzzeitig) Rudolfsheim untergebracht,  fand das „Straßenbahn Museum“ seine heutige Heimstätte in der Remise Erdberg.

 

Als 1992 diese  Remise für den Fahrdienstgebrauch aufgelassen wurde, konnte sich das Museum größerer Räumlichkeiten erfreuen. Entsprechend positiv dann auch die Entwicklung und das Besucheraufkommen. 

Signale in der Remise Erdberg

*Remise: Ein Gebäude für Wartungsarbeiten und Unterstellung von (Schienen)Fahrzeugen. 

Wiener Tramway Museum: alter Autobus

 

Wiener Tramway Museum: Geschichte und Tradition

 

Hier lächelt einem Geschichte, Tradition und die Vergangenheit förmlich entgegen. Ob Interesse an der Technik oder an Geschichte, beides zeigt sich dem interessiertem Besucher.

 

Mittels gut gestalteter interaktiver Themeninseln, wird so einiges zum Thema näher gebracht. Irgendwie schreitet man durch die letzten 150 Jahre der Geschichte Wiens. In dieser Stadt lassen sich die Leistungen im Öffentlichen Verkehr nicht von der Stadtentwicklung trennen. 

Alte Hinweisschilder

 

Geschichte des öffentlichen Verkehrs in Wien

 

Von der Pferde- über die Dampftramway bis zur Niederflurstraßenbahn wird eine Reise durch den Fuhrpark geboten.

 

Obwohl vieles über die Jahrzehnte durch Verschrottung und Mangel an Geld nicht erhalten geblieben ist, kann das „Wiener Tramway Museum“ eine beachtliche Schau von Fahrzeugen vorweisen.

 

Der Aufbau von der Jahrhundertwende bis zum fatalen Niedergang in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs. Das 20. Jahrhundert, eines der Kriege  und Not in Europa, machte natürlich auch vor dem Öffentlichen Verkehr nicht halt. 

Während des Ersten Weltkriegs für den Materialtransport verwendet oder um die Verstorbenen der Lazarette in Richtung Zentralfriedhof zu überstellen. Frauen übernahmen Arbeiten wie die des Schaffners, da die Männer für die verfehlte Politik der Herrscherhäuser an den Fronten verrecken mussten. 

 

Die Ankündigung des schwer komplexbeladenen Meldegängers  aus Wien eine „Perle“ zu machen, endete bekanntermaßen nach einigen Jahren von Terror und Diktatur in Schutt und Asche. Jetzt ging es an den Wiederaufbau.

 

Und die Wiener bauten auf, unter Mithilfe der Besatzungsmächte entstand neues Leben. Eine Stadt richtete sich wieder auf und die Räder des Öffentlichen Verkehrs begannen endlich wieder zu rollen.

 

Es sei auch erwähnt, dass die Wiener Straßenbahner einen nicht unbeträchtlichen Anteil am Widerstand gegen den Austrofaschismus im Februar 1934 hatten. 

Stockautobus im Wiener Tramway Museum

Was das „Wiener Tramway Museum“ so alles zu bieten hat

 

Der vor allem von den Kindern geliebte Stockbus  (heute leider nicht mehr im Einsatz), welche der Schreiber dieser Zeilen noch miterleben durfte, die Klasse der „Amerikaner“ welche nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Vereinigten Staaten angeschafft wurden um den Fuhrpark wieder aufzubauen oder auch jener Bus, welcher die Reichsbrücke überquerte als diese in den Fluten der Donau unterging.

 

So nebenbei erwähnt,  jener Tag an dem Niki Lauda seinen folgenschweren Unfall am Nürburg Ring hatte.  

Alte Stadtbahn Garnitur

Oder die gänzlich verschwundene und durch die U-Bahnlinie Sechs ersetzte Wiener Stadtbahn (eines der Hauptwerke des Architekten Otto Wagner) grüßt hier aus der Vergangenheit und wird bei so manchem Besucher etwas Melancholie hochsteigen lassen. Das Abläuten, der Geruch des mit Öl eingelassenen Holzbodens, die zugigen Wagen.

 

Nicht zu vergessen, und sicherlich ein Highlight hier in der Remise,  der U-Bahn-Simulator. Nicht nur Spaß für die kleinen Besucher. 

Führungen für Schulklassen, Familien oder auch individuell abgestimmt sind nur zu empfehlen. Über 100 historische Fahrzeuge laden ein in die „Geschichte einer Erfolgsgeschichte“. Von einem aus Ehrenamt und mit viel Herzblut begonnener Idee ist ein wirklich gelungenes Museumsprojekt entstanden. 

Sitzbänke - Hinten noch der Schaffnersitz

Und was mir noch am Herzen liegt…

 

Selbst Kind eines Straßenbahners, kamen auch für mich vergangene Zeiten zurück. Eine ausgestellte Uniform, Bilder der Bediensteten aus den Siebzigern ließen Kindheitserinnerungen über den Arbeitsalltag meines Vaters in die Erinnerung zurückkehren.

 

Das Aufstehen um drei Morgens oder das späte Heimkommen in der Nacht, bei Wind, Regen, Kälte oder Schneefall. Die heißen Monate, die vollen Züge und undisziplinierte Fahrgäste.

 

Wie so oft werden in der Öffentlichkeit Leistungen des Arbeitsalltags nicht wahrgenommen. 

Wiener Tramway Museum: Radantrieb

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