Südostasien, Indien, Wien und Überlegungen über die es zu schreiben lohnt
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      RAMA IX - Bhumipol Adulyadej       Inspiration und Güte als Autorität

 

Beispielloses Handeln und den Blick auf das Ganze einer Gemeinschaft gerichtet um dieser zu dienen, sind Eigenschaften welche als Vorbild für viele wirken. Im Islam der Prophet Muhammad, der argentinische Freiheitskämpfer Ernesto Che Guevara oder der hier vorgestellte König von Thailand, seine Majestät König Bhumipol Adulyadej. Personen, welche Inspiration ausstrahlen und Kraft geben. Millionen von Menschen durch das Leben führen, weit über den Tod hinaus.

Eine kurze Biographie seiner königlichen Hoheit

 

Bhumipol Adulyadej ist im Jahre 1927 in den USA geboren und wurde nach dem mysteriösen Tod seines Bruders Ananda Mahidol König von Thailand. Als Rama der IX, führt er seit 1946 das Land durch Höhen und Tiefen politischen Geschehens. In einer Region, welche Jahrzehnte in Unruhe und Blutvergießen versank. Er gehört dem Geschlecht der Chakri-Dynastie an, welches seit dem Jahre 1782 die Herrschaftsgeschäfte Thailands innehat. Bhumipol Adulyadej, ist der am längsten dienende Monarch sowie das längst dienende Staatsoberhaupt der Welt.

Bevor er im Jahre 1951 die Staatsgeschäfte übernommen hatte, widmete er sich dem Studium der Rechts- und Politikwissenschaften das er in der Schweiz belegte. Dort lernte er seine spätere Frau, und zukünftige Königin von Thailand, Rajawongse Sirikit Kitiyakara kennen. Die Hochzeit im Jahre 1950 ging als Traumhochzeit in die politische und gesellschaftliche Berichterstattung ein.

 

Viele der damaligen Bewunderer und medialen Zaungäste wussten weder über die massive Armut in Thailand noch über das Geschehen in Südostasien bescheid. Das Hochzeitspaar überstrahlte alles und war die personifizierte Darstellung vom Land des Lächelns.

 

1956 verbrachte der Herrscher einige Zeit als Mönch im Wat Bowonniwet in Bangkok. Für thailändische Männer ist es nicht unüblich eine bestimmte Zeit im Kloster zu verbringen. Der König machte da für sich keine Ausnahme. Mit Bettelschale und Mönchsrobe unternahm er den morgendlichen Gang um Almosen. Er ist nicht nur Herrscher und oberste Autorität des Landes sondern auch religiöses Oberhaupt seiner buddhistischen Untertanen.

 

Seine Majestät steht an der Spitze vieler nationaler Organisationen und Verbände und ist in seiner Person beispielsweise oberster Pfadfinder des Landes.

Vier Kinder entstammen der Ehe des Königspaares. Kronprinz Maha Vajiralongkorn, Prinzessin Maha Chakri Siridhorn, Prinzessin Ubol Ratana und Prinzessin Chulabhorn. Letztgenannte musste durch ihre bürgerliche Heirat auf königliche Privilegien verzichten, was ihr sicher weniger Kummer bereitete als der Verlust ihres Sohnes während der Tsunami-Katastrophe des Jahres 2004.

 

Prinzessin Maha Chakri Siridhorn gilt als der Liebling der Bevölkerung. Sie zeigt mit ihrer Begeisterung an der Fotografie und dem Interesse an Geschehnissen des Alltags und der persönliche Anteilnahme an den Sorgen der Bevölkerung starke Ähnlichkeiten zu ihrem Vater.

 

Deren großer Bruder, Kronprinz Maha Vajiralongkorn, dem ein eher lockerer Lebenswandel nachgesagt wird und dessen Ansehen in der Bevölkerung respektvoll aber nicht unbedingt warmherzig ist, gilt als Thronfolger.

 

Herrschaft in Zeiten der Unruhe

 

Die Stellung des thailändischen Königs im Alltag ist von unschätzbarer Bedeutung im Denken und Handeln jedes einzelnen Thais. Quer durch Bevölkerungsschichten und Konfessionen.

 

Griff seine Majestät bei früheren Unruhen oder auch Putschversuchen korrigierend ein und brachte Ruhe und Kontinuität wieder ins Land, brachten die Vorfälle des Jahres 2010 und das Nicht-Vorhandensein seiner Person in der Öffentlichkeit ein gefährliches Vakuum. 

 

Eine der größten Herausforderungen seiner Regentschaft war im Mai 1992 als es zu einer blutigen Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und der Armee kam. Willkür und wahlloses Abschlachten von unbewaffneten Demonstranten führten schlussendlich zum öffentlichen Auftreten von Bhumipol Adulyadej. Mittels seiner Autorität und der Kraft seiner göttlichen Sendung brachte er die Waffen zum Verstummen. Spätestens aber ab diesem Jahr ist das Verhältnis zwischen Armee und Bevölkerung äußerst gespannt.

 

Böse Vorahnungen liegen derzeit über dem Land und so ist die oft strapazierte Phrase „Long live the King“ nur allzu verständlich. Genesungswünsche und Gebete für diesen allseits geliebten und geschätzten König sind Alltag in einem Land wo der Wunsch nach Stabilität und Frieden in den letzten Jahren vermehrt an Bedeutung gewonnen hat.

 

Seine Majestät Rama IX hat sein Land durch die Wirren des Indochina Krieges gesteuert und es von negativen ausländischen Einflüssen so gut es ging bewahrt. Immer ein offenes Ohr und großes Interesse an den Bedürfnissen der Bevölkerung und der Bewahrung kultureller Traditionen waren und sind ein Zeichen seiner Regentschaft.

Am 13. Oktober 2016 verstarb seine Hoheit Bhumipol Adulyadej.

 

Das Land stand still, eine dreißigtägige Staatstrauer, ein Volk in schwarz gekleidet, kein Entertainment. Der Fremde konnte sehen, wie ein Staatsoberhaupt von seinen Untertanen geliebt, geachtet, geschätzt wurde. Respekt und Dankbarkeit wurden dem Verstorbenen entgegengebracht. Aus allen Teilen dieses vielfältigen Landes strömten Hundertausende in die Metropole Bangkok um dem Aufgebahrten ihre letzte Aufwartung darzubringen.

 

Die Einäscherung  des königlichen Leichnams wird im Oktober 2017 erfolgen. Nachfolger auf dem Thron, als Rama X., wird sein Sohn Maha Vajiralongkorn Bodindradebayavarangkun. 

Der Welt längst dienender Monarch hat für immer seine Augen geschlossen.  Für die Bevölkerung ist es schwer sich einen anderen Regenten vorzustellen.

 

In den letzten Jahren, Unruhen und tödliche Konflikte mehrten sich, kam es durch die fehlende Präsenz des schwer erkrankten Königs zu einem gefährlichen Vakuum für die Nation. Er ist es gewesen welcher das Volk einte. Welcher für Stabilität sorgte und sich als Vater aller Thailänder gesehen hat. Egal welcher Religion, Ethnie oder Bevölkerungsschicht sie auch angehörten.  

 

Es war ihm Anliegen die Sorgen und Nöte der Bevölkerung direkt vor Ort zu erkunden. Unermüdlich reiste er in den hintersten Winkel des Landes um Verbesserungen und Innovationen zu fördern die Nutzen für die Menschen brachte.

Erfindungen wie ein Wasserrad das den Sauerstoffgehalt in stehenden Gewässern verbessert oder von ihm ins Leben gerufene Projekte zur Verbesserung der Landwirtschaft zeigen sein Engagement. Ein Engagement das über Verständnis weit hinausreicht. Eine Versuchsfarm im königlichen Palast oder die Entwicklung einer unschädlichen Chemikalie welche Wolken zum abregnen bringen soll. In Zeiten von Trockenheit und Dürre eine Wohltat für die Landbevölkerung. Beispiele unermüdlichen Schaffens und Wirkens. 

Der begeisterte Segler und Saxophonspieler, als Regent Diener seines Volkes der sein Land aus den blutigen Wirren der südostasiatischen Kriege fernhalten konnte und bei inneren Konflikten zwischen Opposition und Militär ordnend eingegriffen hat ist nicht mehr.

 

Long live the kingdom! 


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