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                Pridi Phanomyong                   Visionär eines modernen Thailands

Pridi Phanomyong wird wohl den wenigsten in Europa bekannt sein. Auch jene die in das „Land des Lächelns“ fahren um dort Urlaub zu machen, um die Genüsse dieser Region genießen, haben wohl nie von diesem Herrn gehört oder gelesen. Ja vielen Thais der Gegenwart ist er wahrscheinlich unbekannt obwohl sie vielleicht ganz in der Nähe oder vielleicht direkt in einer der Sois (Nebengassen) der Sukhumvit 71 wohnen. Die Seitenstraßen 1 bis 50 nämlich, sind nach diesem großen Sohn des Landes benannt. Es schadet nicht einiges über Pridi Phanomyong zu wissen, ist er doch einer der Architekten des Thailands, des früheren Siam, der Gegenwart.

Pridi war einer der maßgeblichen politischen Aktivisten beim Übergang Siams von der absoluten zur konstitutionellen Monarchie im Jahre 1932. Er war einer der Begründer der Volkspartei welche sich für die Erneuerung Siams einsetzte. Während des Zweiten Weltkriegs ist er einer jener Politiker gewesen die nicht mit den Japanern kollaborierten und sich als Anführer der Seri-Thai-Bewegung den japanischen Großmachtbestrebungen widersetzten. Im Jahre 1946 war er für kurze Zeit Premierminister. Und er war Mitglied im Regentschaftsrat für den minderjähren König Ananda.

Pridi Phanomyong - Quelle: Wikipedia

Ayutthaya – Bangkok – Paris

 

Geboren wurde Pridi Phanomyong in Ayutthaya des Jahres 1900. Der Familienname wurde erst später angenommen (die Vorfahren lebten in der Nähe eines Wat mit den Namen Phanomyong) da im Siam der damaligen Zeit Familiennamen nicht üblich gewesen waren. Als Pridi 10 Jahre alt war, ging er nach Bangkok um die Tempelschule des Wat Benchamabophit zu besuchen. Die schulische Laufbahn führte ihn letztendlich zur Rechtswissenschaft und nach Paris wo er an der Sorbonne studierte. Dort kam er dann mit den Ideen des Liberalismus und des europäischen Sozialismus in Kontakt. Mit anderen Studenten und Jungmilitärs aus Siam gründete er 1927 die Volkspartei von Siam. Ziel war es Siam von der absoluten Herrschaft des Königshauses hin zu einer konstitutionellen Monarchie zu transformieren.

Zurück in Siam

 

Zurück in Siam nahm er eine Stelle in der Justiz an, heiratete die Tochter seines Mentors mit der er sechs Kinder hatte. Nicht nur politisch stand ihm die Gattin nahe, sie war eine wesentliche Stütze in seinem Leben. Später erhielt Pridi den Titel Luang Praditmanutham. Während seiner Vorlesungen an der Rechtschule erregten seine Ideen und Ansichten Aufmerksamkeit. Pridi war einer der Vordenker des Staatsstreichs der die Abschaffung der absoluten Monarchie zur Folge hatte. Am 24. Juni 1932, König von Siam war damals Prajadhipok – Rama VII,  wurde die von Pridi erarbeitete Provisorische Verfassung angenommen. Er selbst wurde Finanzminister.

Ein Wirtschaftsplan  für Siam, das Exil und eine schnelle Rückkehr

 

Im Mittelpunkt seines Wirtschaftsplanes stand  die Verstaatlichung von Industrie und Landwirtschaft um der  Bevölkerung soziale Sicherheiten zukommen zu lassen. Siams Bürgern ein menschenwürdiges Leben zu gewähren. Versteht sich wohl von selbst, dass die Eliten des Landes damit nicht einverstanden gewesen waren. Was liegt wohl näher als ihn als Kommunisten zu denunzieren und im gleichen Atemzug mit Stalin zu nennen. Seine Ideen sind aber wohl mehr  eine Verbindung zwischen buddhistischen Grundüberlegungen und den sozialpolitischen Ansichten demokratischer Sozialisten gewesen. Aufkeimender Widerstand gegen seine Pläne in den eigenen Reihen führte dazu, dass Pridi ins Exil ging. Auf elegante Art und Weise,  ihm wurde ein Stipendium angeboten, versuchte man sich seiner zu entledigen. Ohne Ausweg nahm Pridi an und ging nach Frankreich.

Der nächste Putsch ließ nicht lange auf sich warten und Pridi kam zurück nach Siam. Von den Anschuldigungen der kommunistischen Umtriebe freigesprochen, übernahm der den Ministerposten des Inneren und wurde Gründer der Thammasat Universität in Bangkok. Die erste Universität des Landes welche nicht durch den König gestiftet wurde.

 

Die exterritorialen Rechte ausländischer Mächte wurden abgeschafft. Was so viel bedeutet, dass Ausländer nun der thailändischen Gerichtsbarkeit unterlagen. Während dieser Zeit wurde ihm nicht nur die Ehre der französischen Ehrenlegion zuteil sondern Pridi erhielt auch das Großkreuz des Deutschen Adlerordens durch Adolf Hitler verliehen.

Pridi Phanomyong - Thammasat Universität Quelle: Wikipedia

Die Aggression Japans und die Zeit des Krieges

 

Pridi verfolgte die Neutralität Siams gegenüber der Großmacht Japan und entwickelte sich zum Kritiker von Nationalismus und Aufrüstung. Als die Japaner mit dem Einmarsch drohten und die Regierung unter Phibunsongkhram sich auf ein Bündnis eingelassen hat, verließ er die Regierung. Berufen wurde er allerdings in den Regentschaftsrat des noch minderjährigen König Ananda Mahidol.

 

Die durch Japan erzwungene Kriegserklärung (von Pridi nicht unterschrieben) an die USA und Britannien wurde durch den thailändischen Botschafter nicht übermittelt. So konnte sich das Land nach Kriegsende darauf berufen auch keine abgegeben zu haben. In den Zeiten japanischer Vorherrschaft und Bevormundung gründeten Pridi und seine Anhänger die Seri-Thai-Bewegung. Sie kooperierten mit den Alliierten und setzten sich für ein freies Thailand ein. Nach Kriegsende kehrte er zurück, fungierte als starker Mann im Hintergrund.

Die Nachkriegszeit in Thailand

 

Nach dem Krieg wurde Pridi Premierminister und eine neue Verfassung wurde in Kraft gesetzt. Dann starb der junge König unter noch bis heute ungeklärten Umständen. Nachfolger wurde Bhumibol Adulyadej. Gerüchte kamen auf, dass Pridi am Tod des Königs beteiligt gewesen sein soll. Die Eliten begannen sich wieder auf den Reformer einzuschießen.

 

Nach Gründung der Südostasiatischen Liga (ein Zusammenschluss antikolonialer Organisationen) ging die Hetze gegen seine Person weiter. Ein Kommunist soll er sein, einer der gegen die Monarchie und für eine republikanische Ordnung ist. Es folgte wieder einmal ein Putsch und in der Befürchtung ermordet zu werden, floh Pridi außer Land.

 

Wieder ein Exil aber ohne Rückkehr

 

Die Welt hatte sich geändert, der „kalte Krieg“ beherrschte das politische Klima. Die westlichen Alliierten benötigten einen wie ihn nun nicht mehr. Sie fühlten sich zu den streng antikommunistischen Putschisten und Eliten hingezogen. Als die Regierung Thailands dann noch einen Haftbefehl in der Angelegenheit des Todes von König Ananda Mahidol ausstellte war an eine Zukunft in Thailand nicht mehr zu denken.

 

Pridi ging zunächst nach China, selbstverständlich Wasser auf den Mühlen des Antikommunismus.  Ab 1970 lebte er dann bis zu seinem Tode im Jahre 1983 in Frankreich. Seine Frau und die Kinder folgten ihrem Vater in das französische Exil.

Quelle: Wikipedia

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