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         Muhammad Asad              Österreicher, Muslim und Übersetzer des Korans 

Muhammad Asad

Der Islam in seiner Vielfalt ist heute die am schnellsten wachsende Religionsgemeinschaft. Ist es für viele logische Konsequenz dieses Glaubensbekenntnis anzunehmen, sind andere überrascht wenn man eine solche Entscheidung für sich trifft.

 

Dem österreichischen Juden Leopold Weiss, der Mitte der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts zum Islam konvertierte, soll dieser Text gewidmet sein.

 

Sein Weg durch die Kulturen, seine Erkenntnisse daraus und der Übertritt vom Judentum zum Islam. In einer Zeit wo der nächste Weltenbrand bevorstand, der Islam in Europa exotisch und geheimnisvoll wahrgenommen wurde.

Geboren in Lemberg des Jahres 1900, war Muhammad Asad Öster-reicher, ein Bürger der Donaumonarchie. Zu Beginn des Weltkrieges, übersiedelte seine Familie nach Wien wo Leopold nach der Matura an der Universität Philosophie zu studieren begann. Mit seiner Situation nicht zufrieden,  drängte es ihn in die weite Welt.

 

Das pulsierende Berlin, die Hauptstadt der Weimarer Republik, ist seine erste Station gewesen.  Dort hatte er Kontakt mit Bert Brecht und Marlene Dietrich. Ein Interview mit der Gattin von Maxim Gorki, brachte den erhofften journalistischen Durchbruch. 

 

Er lernte Elsa Schiemann kennen, seine Lebenspartnerin für die nächsten Jahre. Jene Frau mit der er sich auf Pilgerfahrt nach Mekka, der Hadsch, begeben wird.

 

Die Einladung eines sich in Palästina niedergelassenen Onkels kam für den jungen Journalisten wie gerufen. Ohne viel zu zögern war er bereit dessen Ruf Folge zu leisten, um der Unruhe Europas zu entkommen, um Neues zu erfahren.  

 

Über Kairo gelangte er nach Jerusalem, schwer beeindruckt von der arabischen Kultur. Dem Zionismus stand er ablehnend gegenüber. Mit der Tatsache, dass in deren Überlegungen kein Platz für das Schicksal der ansässigen arabischen Bevölkerung ist, konnte und wollte er sich nicht anfreunden.

 

Nachdem er sich einige Zeit mit kleineren Arbeiten für europäische Zeitungen Geld verdiente, begann er für die Frankfurter Zeitung zu arbeiten. In die Weite des asiatischen Kontinents, bis nach Persien und Afghanistan führte ihn seine Arbeit.

 

Immer mehr faszinierte die arabische Welt, der Islam und die Gegensätze zu Europa.  Im Jahre 1926 nach Berlin gekommen, konvertierte er gemeinsam mit Elsa und nannte sich fortan Muhammad Asad. Der Islam entwickelte sich zu einer Lebensaufgabe.

 

Immer wieder stand der Gegensatz zwischen industrialisierter westlicher und islamischer Kultur im Mittelpunkt seiner Überlegungen. Obwohl heute wie damals Realität und Ideal in einem Gegensatz, bestanden für ihn  keine Zweifel an der Gültigkeit islamischer Werte und der Vorstellung wie eine gerechte Gesellschaft auszusehen hat.

 

In seinen Schriften weißt Asad darauf hin, dass Ideologie gesellschaftliche Offenheit zwangsläufig nicht ausschließt.

 

Im Jahre 1927 dann die Pilgerfahrt nach Mekka. Gemeinsam mit Elsa und deren Sohn aus erster Ehe. Nach dem spirituellen Höhepunkt der Reise holte sie das Schicksal heim und Elsa erlag einer Malariainfektion. Schwer getroffen zog sich Muhammad Asad in die Wüste zurück um Ruhe zu  finden, um neue Kraft zu schöpfen.

 

Nach dieser für ihn schweren Zeit wirkte er im Saudi Arabien der 30 Jahre für dessen Herrscher Ibn Saud als Berater. Mit seiner neuen Gemahlin, der Araberin Munira, und dem gemeinsamen Sohn ging er Ende der dreißiger Jahre nach Indien.

 

Dort, in British-Indien, lernte er Muhammad Iqbal kennen. Führer der indischen Muslim Liga und Vordenker eines islamischen Staates. Gemeinsam machten sie sich die Ausarbeitung einer Verfassung für einen solchen Staat zur Aufgabe.

 

Während des Krieges als „Angehöriger“ des deutschen Reiches inter-niert, beherrschte ihn ständig die Ungewissheit über das Schicksal seiner Familie. Helfen konnte er nicht, seine engsten Angehörigen wurden Opfer des Naziterrors und gingen in den Lagern des Dritten Reichs zugrunde.

 

Nach der Teilung Britisch-Indiens ging Asad mit seiner Familie nach Pakistan und stellte sich in die Dienste des neugegründeten Staates.  1952 wurde er Vertreter seiner neuen Heimat bei den Vereinten Nationen.  Er lernte seine letzte Frau kennen, Pola Hamida, eine US amerikanische Konvertitin mit polnisch-katholischen Wurzeln.

 

In Österreich bis heute weitgehend unbekannt, werden das Wirken und die Werke des Muhammad Asad weitgehend unterschätzt.  Sein 1961 verfasstes Werk „Principles of State and Goverment in Islam“, ist ein Anreiz um sich mit einer gerechten Gesellschaft aus islamischer Sicht auseinandersetzen. 

 

Als Hauptwerk allerdings ist eine kommentierte Fassung des Koran, geschrieben in Marokko, anzusehen. Empfehlenswert für jeden der sich mit dem Islam auseinandersetzt, empfehlenswert für jeden Muslim.  Bis 1983 lebte er in Marokko bevor er nach Spanien ging. Nach Andalusien, wo der Islam eine Blüte erlebte, wo Wissenschaft und Spiritualität gediehen, der Geist der Antike am Leben erhalten wurde. 

 

Anfang 1992 starb Muhammad Asad in Granada. Seine Bedeutung geht weit über die gegenwärtige gesellschaftliche Anerkennung hinaus. Seine Neugierde, das Verständnis von Toleranz und sein Wirken an der Interpretation von Islam.

 

Seine kommentierte Koranübersetzung beginnt er mit der Widmung "Für Menschen die denken“  und so mag es wohl auch sein wenn man sich auf eine Begegnung mit der islamischen Offenbarung, denn nicht weniger ist der Koran für einen Muslim, einlässt.

 

Mag Ideal und Realität, wie zu Muhammad Asads Zeit, weit auseinanderliegen, so verlieren weder der Koran noch die Arbeiten Asads an positiver Wirkung für die Zukunft dieser vielfältigen Glaubensgemeinschaft.

 


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