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     Margarete Schütte-Lihotzky        Wiens vernachlässigte große Architektin

Wenn heute über Feminismus oder emanzipatorische Bestrebungen der Frau gesprochen wird, werden oft große Frauen der österreichischen Vergangenheit vergessen bzw. totgeschwiegen. Frauen, die unter richtigen Anstrengungen, Gefahren und Angst für eine bessere Gesellschaft eingetreten sind und gekämpft haben. Margarete Schütte – Lihotzky ist so eine Frau Österreichs. Viel zu wenig Anerkennung ist dieser Persönlichkeit seitens der Republik und der Bevölkerung entgegengebracht worden. Ein paar kurze Zeilen über diese große Dame Österreichs.

Geboren wurde sie  am 23. Jänner 1897 als Margarete Lihotzky in Wien. Die Stadt, wo sie von 1915 bis 1919 an der K.K. Kunstgewerbe Schule studierte.  Damals die einzige Universität wo es Frauen gestattet war zu studieren. Ihr Interesse galt dem Wohnbau und den damit verbunden (besseren) Bedingungen der betroffenen Menschen.

Bei Planung und Bau des Winarsky Hofs (von 1924 bis 1926 errichtet) im 20. Wiener Gemeindebezirk gehörte Margarete Schütte-Lihotzky zu den ausführenden Architekten.

Nach dem Schlachten des 1. Weltkriegs ist sie von 1922 bis 1924 im Baubüro des Verbandes für Siedlungs- und Kleingartenwesen angestellt gewesen. Zwei Jahren später, 1926, wechselte sie ins Hochbauamt der Stadt Frankfurt und heiratete ein Jahre später den deutschen Architekten Wilhelm Schütte. In den 30ern übersiedelte sie in die Sowjetunion wo sie an der Planung von Wohnstätten wie z.B. in Magnitogorsk beteiligt zeichnet. Ihr Schwerpunkt lag an der Planung und Errichtung von Kindereinrichtungen.

Die Frankfurter Küche: Sechseinhalb Quadratmeter Standardküche von Maria Schütte-Lihotzky entworfen. Angepasst an den Bedingungen kleinen Wohnraums und trotzdem Platz für Notwendigkeiten.

1938 dann der Umzug nach Istanbul (bis 1940 Planung von anatolischen Dorfschulen) und Ende 1940 zurück nach Österreich bzw. in das nationalsozialistische Deutsche Reich um sich dem Widerstand anzuschließen. Bevor sie jedoch das Land wieder verlassen konnte wurde sie verhaftet und verbrachte die Zeit bis zum Ende des 2. Weltkrieges im Zuchthaus.

Wieder nach Wien gezogen, wirkte sie bis 1969 als selbstständige Architektin. Ihrem Bedürfnis sich am Wiederaufbau von Wien zu beteiligen wurde seitens der politischen Entscheidungsträger ein Riegel vorgeschoben.  Wohl so ein typisch österreichisches Schicksal wo große Menschen mehr oder minder nicht geschätzt werden bzw. politischen Alltagszwängen untergeordnet werden.  Wenn man allerdings bedenkt wieviel ehemalige Nazis und Mörder im Dienste der sozialdemokratisch regierten Gemeinde Wien ihr ruhiges und oft nicht schlecht bezahltes Plätzchen erhalten haben kann einem mal wieder das österreichische Kotzen kommen.

Ehrungen wurden ihr erst ab den 80er Jahren zuteil. Wie das Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung vom Faschismus, das Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst oder auch das Ehrenzeichen für die Verdienste um die Republik.

Am 18. Jänner 2000 verstarb diese große Frau in ihrem 103. Lebensjahr in Wien.


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