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    Kirche am Steinhof in Wien:      Otto Wagners Jugendstil für die Psychiatrie 

Kirche am Steinhof - Kirche zum Heiligen Leopold in Wien

Jugendstil von Otto Wagner in der Psychiatrie

 

In der Zeit der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert begann sich Wien neu zu erfinden. Neue Ideen und ebensolches Denken in Kunst und Architektur begann die Stadt an der Donau in die Moderne zu führen.

 

Einer der für diese Umgestaltung maßgeblich zeichnete,  war der Architekt Otto Wagner. In seinen Bauwerken verflossen Schönheit, Ästhetik und Nützlichkeit zu einer Einheit.

 

Als er die „Anstalt für Nerven- und Geisteskranke“ auf der Baumgartner Höhe errichtete, setzte er ihr mit der „Kirche zum Heiligen Leopold“ eine Krone auf. Besser gesagt eine Limone, denn aufgrund der Ähnlichkeit mit einer halben Limone bekam das Areal im Volksmund die liebenswerte Bezeichnung „Lemoniberg“ verliehen.

Eingang Otto Wagner Spital Baumgartner Höhe

Das Otto-Wagner-Spital als Ausflugsziel in Wien


Es macht sich bezahlt das Otto-Wagner-Spital (die ehemalige   „Nervenheilanstalt“) und seine Kirche zu besuchen. Mit der Autobuslinie 48A geht ist direkt von der Stadtmitte hierher. Eine kleine Stadtbesichtigung, von der Ringstraße über die bürgerlichen Außenbezirke in den Arbeiterbezirk Ottakring, zu den Hängen des Gallitzinbergs.

 

Als im Jahre 1907 die Nervenheilanstalt eröffnet wurde,  war es eine der modernsten und patientenfreundlichsten ihrer Zeit. Geräumige Gestaltung, Natur und Ästhetik standen für Wagner im Mittelpunkt. Ebenso wie die Bedürfnisse von Patienten und Belegschaft.

 

Am höchsten Punkt des Areals angelangt, steht der Besucher vor diesem römisch-katholischen Sakralbau der sich eindrucksvoll über die Anlage erhebt. Otto Wagner wollte ursprünglich auch ein protestantisches Gebetshaus und eine Synagoge errichten. Klamme Finanzen verhinderten dieses Vorhaben.

Mosaikfenster in der Kirche am Steinhof

Die „Kirche zum Heiligen Leopold“

Errichtet im Zeitraum von 1904 bis 1907, wurde sie zu einem Hauptwerk des Wiener Jugendstils. Leider kommt der „Kirche zum Heiligen Leopold“ in Wien noch immer nicht der Rang zu der eigentlich gebühren würde.

 

Mit ihrem lichtdurchflutenden Innenraum, den von Kolo Moser gestalteten Mosaikfenstern (die „leiblichen Tugenden“ als auch die „geistigen Tugenden“ sind hier verewigt) und ein abfallender Boden um auch für die hinteren Reihen Sicht in Richtung Altar zu bieten. Das Altarbild sollte den Plänen nach ebenfalls von Kolo Moser gestaltet werden. Als dieser aber zum Protestantismus konvertierte, wurde ihm der Auftrag entzogen.

 

Ähnlichkeiten weist die Kirche mit der „Karl Borromäus Kirche“ am Wiener Zentralfriedhof auf. Übrigens ebenso einen Besuch wert. Für all jene die mehr Zeit hier verbringen oder für die Wiener, die ihre Stadt noch besser kennen lernen wollen.

Kirche zum Heiligen Leopold: Altaransicht

Wieder den Blick auf die Außenansicht gerichtet. Über den Eingang thront der Heilige Leopold, der Schutzpatron von Wien und Niederösterreich. Wien und Niederösterreich waren damals noch ein Bundesland und Wien die Hauptstadt. Erst 1920, in der neugeschaffenen Republik, erfolgte die Trennung.

 

Der Herr an seiner Seite ist der Heilige Severin. Die Verzierungen mit Lorbeerkränzen sind für Otto Wagner ein Markenzeichen. Man findet sie an den Gebäuden und Brücken der U-Bahn Linie Sechs oder am Postsparkassengebäude.

 

Der Zahn der Zeit nagte an dem Bauwerk, und so wurde es einer gründlichen Renovierung unterzogen und 2006 wiedereröffnet. Die neu vergoldete Kuppel erstrahlt über das Anstaltsgelände. Eine halbe Zitrone, sichtbar (vor allem an sonnigen Tagen) weit über die Stadt, der Lemoniberg in Wien.

Gedenken in der Psychiatrischen Anstalt

NS-Verbrechen in der Wiener Psychiatrie

 

Abschließend sei noch auf ein dunkles Kapitel der Anstalt verwiesen. Die während der Zeit des Nationalsozialismus begangen Verbrechen an sogenannten „Minderwertigen“ sind im Pavillon 5 gut dokumentiert. Vor dem Jugendstiltheater befinden sich über 772 Säulen, welche bei Dämmerung zu leuchten beginnen, die an die Kinder und Jugendlichen erinnern die hier der NS-Medizin zum Opfer gefallen sind.

Kirche am Steinhof : Vorderansicht

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