Südostasien, Indien, Wien und Überlegungen über die es zu schreiben lohnt
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            Kanchanaburi                 Brücke über den Kwai

 

Unter Rama I. als Bollwerk gegen die nach Siam einfallenden Burmesen gedacht, ist Kanchanaburi heute ein Freilichtmuseum welches über ein Stück südostasiatischer Weltkriegsgeschichte erzählt. 

 

 

Weltkriegsvergangenheit nicht weit von Bangkok entfernt

 

Etwas mehr als hundert Kilometer von Bangkok entfernt ist Kancha-naburi relativ einfach zu erreichen. Ob mit einer von Bangkok aus gebuchten Reiseagentur oder individuell per Bahn. Das sympathisch anmutende Städtchen liegt an den Flüssen Kwai Yai und Mae Klong. Unterkünfte am Fluss können zwar etwas laut sein, für mich sind sie trotzdem die beste Variante um hier ein paar Tage zu verbringen. Speed Boote, Boote mit lauter Musik und natürlich Mosquitos und Ameisen. Manch nächtlichen Kampf hatte ich gegen diese kleinen Quälgeister gefochten. Trotzdem, nicht abschrecken lassen und die Lage genießen. Es lohnt sich einfach mal hier gewesen zu sein.

 

Eines der fruchtbarsten und landwirtschaftlich ertragreichsten Gebiete Thailands, mit dem Blut hunderttausender Zwangsarbeiter und Kriegs-gefangener getränkt. Mehr als 200.000 asiatische Zwangsarbeiter aus den eroberten Gebieten Südostasiens und über 60.000 alliierte Kriegs-gefangene, schufteten unter Bedingungen in dem ein Entkommen so gut wie unmöglich war.

Strategische Bedeutung der Brücke am Kwai

 

Die strategische Verbindung von Bangkok und Rangun in Burma war das Ziel der japanischen Invasoren als sie Südostasien überrannten. Die Versorgung der Truppen mit Nachschub und das Vorhaben einer Invasion Indiens über burmesisches Gebiet, war der Zweck dieser Eisenbahnlinie. Mit dem Bau der Bahnstrecke sollte die Straße von Malacca, die Meerenge bei Singapur, umgangen werden. Sie stellte trotz der Eroberungen noch immer eine Bedrohung für die Japaner dar.

 

Der aus den fünfziger Jahren stammende Film „Die Brück am Kwai“ erzählt davon. In Ceylon, das heutige Sri Lanka, und in britischen Studios gedreht, machte er mit Alec Guinness und William Holden in den Hauptrollen das Schicksal der Betroffenen zur Filmgeschichte. Wie zum Beispiel jene Szene wo die in das Lager einrückenden, britischen Gefangenen den „Colonel Bogey March“ pfeifen. Ein wahrer Hit der Filmgeschichte. Oft fälschlich als „River Kwai Marsch“ betitelt, wurde dieser britische Marsch schon im Jahre 1914 komponiert.

Das Original der Brücke über den Fluss mit dem Namen „Kwai Yai“, der große Kwai, ist nicht mehr erhalten. Anfang des letzten Kriegsjahres wurde die Brücke durch US-amerikanische Bomber zerstört. Allerdings ist das Duplikat, nicht genau am selben Platz errichtet, es ebenso wert besucht zu werden. Vielleicht sind oft zu viele Touristen vor Ort, um sich ein Bild zu machen was hier in den Vierzigern des zwanzigsten Jahrhundert geschehen ist.

 

„Death Railway“ wird die Strecke genannt und das nicht ohne Grund. Über 16.000 alliierte Gefangene gingen hier zu Grunde. Ganz zu schweigen von den mehr als 100.000 asiatischen Opfern, die meist an Ort und Stelle liegen gelassen und der Natur die Arbeit der Bestattung überlassen wurde. Den Alliierten Soldaten wurde meist ein Grab zugestanden, asiatische Kulis waren für die Japaner nicht einmal diese letzte Würde wert. Malaien, Burmesen, Thais, Indonesier, Chinesen, Inder. Das japanische Kaiserreich brauchte Sklaven und sie holte sich, diese aus Regionen die mit äußerster Brutalität erobert wurden. Das Massaker von Nanking war keine Ausnahme.

 

Zwei Friedhöfe, diesseits und jenseits des Flusses, als ästhetisch-mahnende Zeugen der Zeit. Wandere durch die Gräberreihen, überfliege die Namen die du liest Reisender. Stelle dir vor, welch unbekannten Geschichten für uns hier verborgen geblieben sind. Welche Mühsal und Strapaze die hier Verscharrten erleiden mussten um endlich ihre Ruhe zu finden. Denke an die Trauernden daheim, die ihre im Krieg verbliebenen Söhne und Gatten beweinten.

 

Das JEATH-Museum und der Hellfire Pass

 

Keiner mag anfangs verstehen was hinter der Abkürzung“ JEATH“ verborgen ist. Ein Museum, in dem allerlei Materialien aus der Zeit des Streckenbaus ausgestellt sind. Nachgebaut oder auch im Original. JEATH steht als Abkürzung für die hier am Kriegsschauplatz beteiligten Nationen: Japan, England, Amerika, Australien, Thailand und Holland. So einfach ist das! Die Thais lieben Abkürzungen und die Show. So darf es dem europäischen Besucher nicht verwundern, dass einige Dinge hier etwas anders dargestellt werden als erwartet wird.

 

Im Jahre 1943 wurde der Hellfire Pass erbaut. Die Japaner drängten auf die Fertigstellung der Strecke und so wurde auch des nachts gearbeitet. Und immer wieder die Gefahr der Bombenangriffe durch alliierte Flieger. Ende des selbigen Jahres war die Strecke endlich fertig und wurde in Betrieb genommen. Doch das Ziel einer gut funktionierenden Verbindung mit schnellen und sicheren Truppen- und Nach-schubtransporten wurde nicht erreicht. Zu schnell, zu übereilt wurde gebaut und die Bomber der US Air Force taten ihr Übriges dazu. Nicht zu vergessen die Sabotage durch die Kriegsgefangenen.

 

Es ist aber nicht nur Kriegsvergangenheit welche es hier zu sehen gibt. In und um Kanchanaburi findet man viele nette Plätzchen die danach schreien erkundet zu werden.

Schwimmende Nonnen, ein riesiger Buddha und ein Nationalpark

 

Wat Tham Mankhon ist der Name des Tempels in der Nähe Kanchanaburis, der durch seine „schwimmende Nonne“ Berühmtheit erlangte. Im Rahmen ihrer Meditationen begibt sich diese im Schneidersitz zu Wasser, beginnt an der Oberfläche zu treiben. Ganz ohne Hilfe, einfach entspannt begeistert sie die Zuseher mit ihrer Fähigkeit.

 

Wat Sua und Wat Ham Kao Noi bieten sich ebenso für einen Besuch an wenn man in der Nähe ist. Die Tempelanlagen liegen an jener Schnellstraße die in Richtung Khao Laem Stausee führt. Die erwähnten Tempel beeindrucken durch ihre imposante Erscheinung und vor allem durch einen riesigen Buddha, der sich über die Umgebung erhebt. Wie die ganze Region hier, ist der Sai Yok Nationalpark einladend um Natur und Umgebung mit seinen Sinnen zu erforschen. Ob Rafting oder Wan-derungen durch die ergiebige Natur, etwas Abwechslung von den Zeugnissen der Vergangenheit.


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