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  König Chulalongkorn – Rama V: Erneuerer von Siam und Volksheiliger

König Chulalongkorn - Rama V

Reist man durch Thailand, begegnet einem fast überall das Bildnis des verstorbenen Königs. Das Antlitz seiner Hoheit Bhumipol Adulyadej, Rama IX, strahlt einem entgegen wo man auch eintritt. Die Thailänder stehen zu ihrem König und nicht selten bietet dieser moralischen Halt und Inspiration in Zeiten von Konflikten, Krisen und Zerwürfnissen.

 

Das Konterfei eines Mannes in schmucker Uniform oder mit Anzug und Melone geben Besuchern hingegen aber oft Rätsel auf. Kein unbedeutenderer als Rama V ist es, welcher stolz und mit sympathischem Blick über die Nachfahren seiner Untergegeben wacht.

 

Er ist eine Art Volksheiliger geworden dieser König Chulalongkorn. Vielen unbekannt, kann die Bedeutung von Rama V für die Entwicklung Thailands nicht hoch genug eingeschätzt werden. Eine kleine Führung durch das Leben jenes Mannes mit den über einhundertfünfzig Ehefrauen die ihm über siebzig Kinder gebären.

Chiang Mai - Bahnhof: Bild von Rama V

Rama V: Zum Wohle von Siam und seiner Bevölkerung

 

Während seiner Regentschaft von 1868 bis 1910 machte das Land einen Riesenschritt in die sogenannte Moderne.

 

Er bewahrte Thailand vor den Klauen der europäischen Kolonialmächte und trieb die technische Entwicklung im Land voran. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde durch Chulalongkorn die Leibeigenschaft aufgehoben. Nicht unbedeutend für das hohe Ansehen des Herrschers in einem Land, wo zu damaliger Zeit viele Bauern unter Fron und Knechtschaft leiden mussten.

 

Der im Jahre 1853 geborene Chulalongkorn bestieg nach dem Tod seines Vater König Mongkut mit 15 Jahren den Thron. Es war ihm eine Lebensaufgabe dem Land und seinen Menschen zu dienen. Auf seinen Reisen machte er sich ein Bild von den Zuständen im Land und

den Nöten seiner Bevölkerung.

 

Eine Ähnlichkeit mit dem verstorbenen König Bhumipol Adulyadej. Die Mobilität von Rama V beschränkte sich allerdings nicht nur auf die Inneren Angelegenheit Siams. Seine Reisen ins Ausland führten den Herrscher in die kolonialisierte südostasiatische Nachbarschaft sowie nach Europa. Österreich, Deutschland und die Schweiz waren ebenso Ziele seiner Neugierde wie das zaristische Russland.

 

Viele europäische Spezialisten wurden nach Siam geladen um am Aufbau einer verbesserten Infrastruktur mitzuarbeiten. Durch den Bau des Eisenbahnnetzes wurden die Entfernungen im Lande drastisch verkürzt. Heute ziert ein großes Bild von Chulalongkorn die Aufenthaltshalle des Bahnhofs Hua Lam Pong in Bangkok.

 

Es wurden Schulen gebaut und Stipendien an Studenten verliehen, unabhängig ihrer sozialen Herkunft. Seine Stiftungen und Bereitstellungen von Grundstücken führten zum Bau von Moscheen und Kirchen. Rama V ist es gewesen, der die Frauen animierte vom kurzen Haarschnitt abzugehen und sich das Haar wachsen zu lassen.

 

Die von den Besuchern Thailands oft bewunderte lange Haarpracht thailändischer Frauen ist also gar nicht so traditionell wie gedacht.

Bangkok: Statue von Chulalongkorn
Bang Pa In

 

Ausflugstouren nach Ayutthaya, die alte Hauptstadt des Königreichs von Siam, führen meist auch zum königliche Sommerpalast in Bang Pa In. Als die Hauptstadt nach Bangkok verlegt wurde

geriet dieser Ort etwas in Vergessenheit.

 

Rama V ließ die Residenz ausbauen und beanspruchte sie für seine Zwecke. Er ließ Wat Saket fertigstellen und trieb die Erweiterung von Wat Phra Kaeo voran. Den aus Teakholz erbauten Vimarnmek Palast im Zentrum von Bangkok, ließ er ursprünglich in der Provinz Chonburi erbauen und erst später an seinen heutigen Platz umsetzen.

 

Nachdem dieser Prachtbau dem Verfall preisgegeben schien, war es die Gattin des verstorbenen König Bhumipol Adulyadej, Königin Sirikit, die Anfang der Achtziger Jahre die Renovierung dieses historischen Erbes in Auftrag gegeben hat. Der Palast erstrahlt wieder im alten Glanz und ist für Besucher zugänglich.

Statue Rama V in Bangkok

Chulalongkorns Ansehen in der Bevölkerung Thailands

 

Das hohe Ansehen von König Chulalongkorn in der thailändischen Bevölkerung wurde schon erwähnt. Anbetung und Gaben sind selbstverständlich. Da finden sich dann auch schon seine bevorzugte Zigarrenmarke oder eine Flasche Whisky unter dem Bild des Königs.

 

An Dienstagen finden sich an der Royal Plaza oft tausende von Pilger ein um Chulalongkorn vor seinem Reiterdenkmal ihre Ehrerbietung darzubringen. Eine Mischung zwischen hingebungsvoller Spiritualität und Volksfeststimmung bestimmt hier das Bild. Bis in die Nacht hinein herrscht ein Kommen und Gehen. Angeblich soll der Geist des Ver-ehrungswürdigen nur zu dieser Zeit erscheinen, nach dem Rechten sehen und für Wünsche und Bedürfnisse besonders empfänglich sein.

 

Gegenüber dieses Platzes ist der berühmte Marmortempel zu bewun-dern, Wat Benchamabopit, welcher aus italienischem Marmor errichtet wurde. Eine wunderschöne Giebelkonstruktion machen diesem von König Chulalongkorn im Auftrag gegeben Wat so sehenswert. Aus-führender ist Prinz Narisara gewesen, ein Bruder Chulalongkorns.

 

Dieser König war und ist noch immer eine schillernde Figur der thailändischen Geschichte. Durch seine Güte, sein Geschick und die von ihm ausgehenden Visionen ist König Chulalongkorn bis heute

in den Herzen der Menschen verankert.

 

Am Chulalongkorn-Day, der 23. Oktober des Jahres, zollt die Nation seiner Leistungen Respekt.


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