Südostasien, Indien, Wien und Überlegungen über die es zu schreiben lohnt
Südostasien, Indien, Wien und Überlegungen                                              über die es zu schreiben lohnt            

             Fünfhaus:                 Lebenswert. Sehenswert. Vielfalt. Wien zum Wohlfühlen. 

Wien 15. Bezirk Märzstraße

Fünfhaus - Ein kurze Geschichte über den 15. Bezirk von Wien

 

Dieser kleine Wiener Gemeindebezirk hat in den letzten Jahrzehnten einen großen Wandel durchgemacht. Einen Wandel von einem unscheinbaren, nahe an der Verslumung liegenden Randdasein, hin zu einem attraktiven und lebenswerten Wiener Stadtteil.

 

Der 15. Wiener Bezirk, Rudolfsheim-Fünfhaus, bekam sein Aussehen im Jahre 1938 durch die Zusammenlegung des 14. und 15. Bezirks. Mitte der 50er Jahre erhielt der Bezirk dann auch seinen heutigen Namen.

 

Dieser Bezirk, klein und überschaubar, schien in den 60er und 70er Jahren der Problematik von Überalterung, Altbauverfall und einer unsozialen Ansiedlungspolitik von Arbeitsemigranten aus dem damaligen Jugoslawien ausgeliefert zu sein.

Fünfhaus: Maria vom Siege am Gürtel

Jahrhundertwende

 

Die Eingemeindung von Ortschaften außerhalb des sog. Linienwalls Ende des 19. Jahrhunderts, war die Geburtsstunde dieses Bezirkes.

 

Es war die Zeit der Stadterweiterungen, des großen Bevöl-kerungszuwachses durch den Zuzug von Arbeitern aus der Donaumonarchie. Eine Zeit der rasanten Verstädterung. Damals wie heute war dieser Bezirk ein Gebiet für Zu-wanderung. Der Be-zirksteil von Fünfhaus ist mehr bürgerlich orientiert gewesen während in den Gebieten Rudolfsheims das Proletariat angesiedelt war. Bekannt war die Gegend um die Schwendergasse durch seine Vergnügungsetablissements wie das „Colosseum“, wo Persönlichkeiten wie Johann Strauß oder auch Carl Michael Ziehrer die illustren Gäste unterhielten. 

 

Der christlichsoziale Bürgermeister, Karl Lueger, machte Wien zu einer modernen Stadt. Er ließ das Gasnetz ausbauen und die Straßenbahnen elektrifizieren. Unter der Federführung von Otto Wagner entstand die Wiener Stadtbahn. Sie fährt als U6 die Bezirksgrenze am Gürtel entlang.

 

Die Bevölkerung erreichte in der Zwischenzeit die 2 Millionen Grenze, von denen die meisten der ausgebeuteten Arbeiterklasse angehörten um die sich niemand scherte. Erst der 1. Weltkrieg ließ Interesse an dieser Klasse aufkommen. Denn nun hieß es im großen Schlachten sein Blut zu vergießen für eine untergehende Monarchie.

Fünfhaus: Aufbauwerk des Roten Wien

Aufbau im „Roten Wien“ und der tiefe  Fall

 

Dann kam die Zeit des „Roten Wiens“. In den Gebieten des heutigen 15. Bezirks wurde gebaut und die Versorgung der Bevölkerung sozial

und menschenwürdiger gestaltet.

 

Wohnbauten wie der Märchenhof, die Kleingartensiedlung „Auf der Schmelz“ oder der Einküchenhof sind Zeugen dieser Zeit welche jäh ein Ende fand, als der Bürgerkrieg und der Austrofaschismus im Jahre 1934 (die Straßenbahnremise Rudolfsheim soll ein Lager des Schutzbundes beherbergt haben) der kurzen und ungeliebten Ersten Republik ein Ende setzten.

 

Danach kam Hitler mit seinen Schergen und das große Blutvergießen begann von neuem. Hitlers Bezug zum Bezirk bestand nicht nur darin, dass die Folgen seiner Politik einen Bombenhagel der Alliierten auf architektonische Juwelen des Bezirks, wie den Westbahnhof oder auch die im neugotischen Stil 1870 erbaute Kirche „Maria vom Siege“ brachten und diese in Schutt und Asche legten.

 

Der kleine Meldegänger aus dem Ersten Weltkrieg und erfolglose Maler der Jahrhundertwende soll für einige Zeit als Untermieter in der Sechshauser Straße gewohnt haben.

Fünfhaus: Meiselmarkt - Johnstraße
Gemeindebau "Märchenhof"

Wirtschaftswunder und steigende Wohnqualität im 15. Bezirk 

 

Der voranschreitende Wiederaufbau ließ im 15. Bezirk bald Asche und Schutt verschwinden und einen stetig steigenden Wohlstand gedeihen. Allerdings spürte man hier auch bald die Schattenseiten der wirt-schaftlichen Entwicklung der 60er und 70er Jahre.

 

Die Bevölkerung überalterte, sozial aufsteigende Familien zogen in „bessere“ Gegenden der Stadt und der Zustrom von Gastarbeitern der Ersten Generation in unmenschliche, desolate Wohneinheiten, ließen die Zukunft dieses Distrikts nicht rosig aussehen.

 

Die Zeit des Paradigmenwechsels weg vom ständigen Neubau an den Stadträndern, wieder zurück in den innerstädtischen Bereich war auch ein Glück für den Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus. Altbauten mit ihrer wunderbaren Bausubstanz wurden der Revitalisierung zugeführt und der Neubau von attraktiven städtischen Wohnhausanlagen sowie die Ansiedlung von „vermögenden“ Bevölkerungsschichten durch Genossenschafts- und Eigentumswohnungen.

 

Das alles trug dazu bei, die Bewohnerstruktur altersmäßig stabil zu halten und die Tatsache, dass auf eine Erste Generation von Gastarbeitern deren Familien und nächstfolgende Generationen folgten, welche hier aufwuchsen und diese Stadt und den Bezirk als ihre unmittelbare Heimat begriffen, führten über die Jahre hinweg zu einem immer lebendigeren Bezirksleben.

 

Die Eröffnung des vom bekannten Architekten Roland Rainer errichteten Veranstaltungszentrum „Stadthalle“ im Jahre 1958 brachte und bringt noch immer regelmäßig tausende von Zuschauern in diesen Teil Wiens.

 

Die Errichtung des Universitätssportzentrums brachte akademisches Flair und der Ausbau des öffentlichen Verkehrs mit der Erschließung des Bezirks durch die U-Bahnlinie 3 verbindet den Bezirk mit dem Zentrum der Hauptstadt.

 

Die Neugestaltung des Kardinal-Rauscher-Platzes, mit seiner imposanten stolz thronenden Kirche welche zärtlich auf den Bezirk blickt. Von diesem Platze aus bis zum sog. „Gürtel“, blickt diese alte Dame. Der Gürtel, wo das Rotlichtviertel, türkische und ex-jugoslawische Lokalvielfalt ineinander verschmelzen. Es ist Tatsache, dass Integration und Zusammenwachsen nicht zu einem unwesentlichen Teil über Gaumen und Magen führt.

 

Durch Essen und Trinken kommen die Leut‘ zusammen, da wird gesprochen und festgestellt, wie ähnlich wir doch einander sind.

Wien - Westbahnhof

Conclusio über Fünfhaus

 

Es ist nicht zu leugnen, die Ansichten über diesen Bezirk sind gespalten. Vielen Unkenrufe aber zum Trotz, machte dieser Bezirk eine Transformation durch die ihresgleichen sucht. Hin zu einem attraktiven Flecken im Gefüge der 23 Bezirke von Wien.

 

Ein Nebeneinander und Miteinander wie das Leben so ist. Ein Nebeneinander und Miteinander zwischen den Nachfahren der aus den böhmischen und mährischen Gebieten der Donaumonarchie eingewanderten Proletarier mit den Bezirksbewohnern deren Wurzeln am Balkan oder in türkischem Boden trieben.

 

Wien: Maria vom Siege, Stadtbahn

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