Südostasien, Indien, Wien und Überlegungen über die es zu schreiben lohnt
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                12. November 1918                   Der Republik Österreich   vergessener Feiertag

Die Tage eines Jahres, an denen eine Nation Großes erlebt oder Außergewöhnliches überstanden hat, gehen meist als Feiertage in das Kalendarium ein. Nicht so der Tag, an dem die österreichische Donau-monarchie ihren letzten Seufzer tat und eine junge, ungeliebte Republik entstand. Die Ausrufung der Republik Deutschösterreich.

November 1918: Ausrufung der 1. Republik Österreich vor dem Parlament

Ende des Krieges und Ausrufung der 1. Republik 

 

Es war die Zeit der untergehenden Monarchien. Das Ende der Romanovs, der Hohenzollern und der Habsburger, die über viele Generationen die Geschicke ihrer Länder lenkten und sie schlussendlich in das große Schlachten des 1. Weltkrieges führten.

 

Die Donaumonarchie lag in den letzten Atemzügen, der Waffenstillstand war am 3.11. unterzeichnet worden und Kaiser Karl I. verzichtete am 11. November 1918 auf die Krone. Das österreichische Schicksal nahm seinen Lauf. Ein hungerndes und vom Krieg demoralisiertes Volk stand vor dem Nichts. Millionen von Soldaten kehrten heim und bildeten ein spannungsgeladenes Klima in einem Staatsgebilde welches sich zunächst Deutschösterreich nannte.

 

Dieses Deutschösterreich, sah sich als legitimer Vertreter aller deutsch sprechenden Bewohner im zerfallenden Habsburgerreich. Jener Teil der Monarchie, der als Zisleithanien bezeichnet wurde. Jene Gebiete, welche diesseits des Flusses Leitha lagen.

 

Die Provisorische Staatsversammlung stand unter Vorsitz des späteren Wiener Bürgermeisters Karl Seitz. Jener Karl Seitz, der sich in den Tagen des Bürgerkriegs von 1934 weigerte sein Amt als Oberhaupt der Bundeshauptstadt freiwillig den Austrofaschisten zu übergeben.

 

Die Regierung Deutschösterreichs war eine Konzentrationsregierung. Bestehend aus Sozialdemokraten, Christlichsozialen und Großdeutschen. An ihrer Spitze stand Karl Renner, der auch der Provisorischen Regierung nach dem 2.Weltkrieg vorstand.

 

Der Vertrag von St. Germain und der Kampf um Österreich

 

Die von der Regierung in den Verhandlungen mit den Siegermächten beanspruchte Einwohnerzahl von über 10 Millionen konnte nicht ein-gehalten werden. Der Wille der Sieger des Weltkrieges setzte sich durch und große Gebiete mit Deutsch sprechender Mehrheit fielen den Nachfolgestaaten der Habsburgermonarchie zu.

 

Kärntner Gebiete gingen an Slowenien, das Kanaltal an Italien, die Untersteiermark schloss sich dem entstehenden Staat der Slowenen, Kroaten und Serben an, dem SHS-Staat. Wie selbstverständlich gingen die gemischtsprachigen Gebiete mit großen und kleinen deutschen Sprachinseln in Böhmen und Mähren an die Tschechoslowakei, welche sich am 28. Oktober des Jahres gegründet hatte. Das Gebiet um Ödenburg ging durch eine, noch über Jahrzehnte hinweg als zweifelhaft angesehene, Volksabstimmung im Jahre 1921 an Ungarn.

 

Der Friedensvertrag von St. Germain im September 1919, von vielen als „Diktat der Siegermächte“ bezeichnet, verbot neben dem Anschluss des Landes an die Weimarer Republik auch den Namen „Deutsch-Österreich“. Ein Anschluss an Deutschland wäre für viele eine Lösung gewesen. "Links" nährte es die Hoffnung einer großen sozialistischen Republik und das Aus für Ausbeutung und Krieg. "Rechts" waren die Träume eines starken neuen Deutschland, einer von militärischen und ritterlichen Tugenden getragen Großmacht, noch nicht ausgeträumt.

 

Während Deutschland sich durch die Wirren bürgerkriegsähnlicher Zustände und Räterepubliken kämpfte, ging es in Österreich um die Aufrechterhaltung eines lebensfähiges Staates und seines Anspruchs, alle deutschsprechenden Österreicher zu vertreten.

 

Der Abwehrkampf in Kärnten wurde erfolgreich geschlagen. Mit einem klaren Abstimmungsergebnis konnten große Teile Kärntens an Österreich gehalten werden. Truppen einer neu aufgestellten Volkswehr, aus kampferprobten Soldaten des Krieges unter der Führung des Sozialdemokraten Julius Deutsch, standen hier im Einsatz.

 

Es war Bestreben der provisorischen Regierung, den Soldaten die ohne Perspektive und schwer geschlagen aus dem Felde heimkehrten so zu kanalisieren, dass sie keine Gefahr für diese schwache und nicht als lebensfähig angesehene Republik darstellten.

 

Das blutige Wüten der Freikorps in Deutschland und die Angst vor einem kommunistischen Putsch durch meuternde Soldaten, schwebte als Bedrohung über der Regierung Deutschösterreichs.

Direkter Weg in die nationalsozialistische Katastrophe

 

Keiner konnte sich vorstellen, dass dieser kleine Staat Österreich überhaupt existieren könne. Ohne Hilfe von außen, mit der Last des Friedensvertrages von St. Germain und der Demütigungen durch die Siegermächte des Weltkrieges.

 

Viele sahen nur in der Vereinigung mit Deutschland die Möglichkeit sich durch die turbulente Geschichte jener Zeit zu bekommen. Zu lange war Österreich eine große Macht in Europa. Zu lange übte es solche auch aus und zu lange war die Doppelmonarchie vereint mit Deutschland.

 

Trotz aller Konflikte über die Jahrhunderte hinweg, sah man sich als deutsche Brüder mit dem Gipfel der großen und irrationalen Waffenbrüderschaft im Krieg der Kriege, wie der Erste Weltkrieg genannt wurde.

 

Es war ein Staat den niemand richtig wollte, dem keiner innerhalb seiner Grenzen wirklich Überlebenschancen gab. Ausgelaugt durch den Krieg und seiner Würde beraubt. Kein Wunder, dass die nationalsozialistischen Rattenfänger der Zwischenkriegszeit ihr Leichtes hatten, dieses kleine Land und seine Bevölkerung in den Abgrund mitzureißen.

 

Österreich hatte keine Zeit sich zu erholen, sich zu stabilisieren. Diese 1. Republik kann als Lehrzeit für die 2. Republik verstanden werden. Eine Republik, die noch heute Garant für Stabilität und Wohlstand ist.

 


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